Bäuerliches Leben in Niederstaufen

 

„Frucht-“ bzw. Getreideanbau in Niederstaufen

 

Landwirtschaft wurde hier im kleinräumigen Allgäu wesentlich zur Selbstversorgung betrieben. Die Bauern pflanzten, säten und hielten in ihren Ställen, was sie zum Leben brauchten. So gehörte zu jedem Hof neben dem Grünland auch eine Fläche für den „Frucht-“ bzw. Getreideanbau.

Das Korn wurde zu den heimischen Mühlen, in Niederstaufen zum Obermüller Elbs in Kinbach, zum Immenmüller Schweinberger oder zum „Bruggemüller“ Karg in Ruhlands vor Opfenbach gebracht. Das Mehl verwendete man zum Brotbacken zu Hause. Ein Teil davon mag dem örtlichen Bäcker verkauft worden sein.

Die „Obstbind“ sorgte neben dem Windschutz, die Bäume standen meist im Westen der Höfe, mit ihren heimischen Apfel- und Birnensorgen für die alkoholischen Getränke in Form von Most und Obstler. Hier und da mag sich auch ein Zwetschgen- oder Pflaumenbaum dazwischen geschlichen haben, dessen Früchte die Frauen in der Küche und die Männer für den Schnaps gerne nutzten.

 

Die Bäuerin pflegte den Gemüse- und Beerengarten, der zudem mit seinen Blumenrabatten den Augen wohl tat, und erntete neben Salat, Rüben, Kraut und alles, was in hiesigen Breiten gedieh.

Im Stall hielt man einige Milchkühe, die teils aber auch als Zugtiere in Anspruch genommen wurden. Sie gaben Milch, aus der man seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Käse machen oder machen lassen konnte.

Daneben gab es ein oder zwei Schweine, deren Futter oft aus organischen Küchenabfällen vermischt mit Getreideabfällen und anderem bestand.

Hühner gehörten zu den Selbstverständlichkeiten auf jedem Hof, denn sie lieferten Eier und ab und zu ein Suppenhuhn. Die Hähnchen landeten früher in der Bratröhre.

Manchmal mischten sich auf dem Hühnerhof auch Enten und Gänse zwischen das andere Federvieh. Sie wurden im Frühjahr gerupft und mit ihren Federn die Betten gefüllt. Neben den paar Enten- oder Gänseeiern, die sie legten, waren sie auch begehrte Sonntagsbraten.

Zu nahezu jedem Bauernhof gehörte auch ein Bienenhaus. Diese Nutzinsekten bestäubten die Obstbäume und lieferten den begehrten Süßstoff Honig.

 

Bis etwa 1964 („Beckebur“) wurde auch in unserem Westallgäuer Dorf Niederstaufen „Frucht“ angebaut. In Erinnerung der heute schon Älternen blieb auch ein Getreidefeld auf dem Rotenacker bei Rösslewirts Stadel. Weizen und Gerste wurde für den menschlichen Eigenbedarf, Hafer als Vie- und Pferdefutter angebaut. Dafür brauchte man, ebenso wie zum Anbau von Größeren Mengen Kartoffeln und Rüben Ackerbearbeitungsgerät. Darum finden sich in manchen „Schöpfen“ noch Pflüge und Eggen, deren Bedeutung sich dem Beobachter der modernen Landwirtschaft hierzulande nicht mehr erschließt.

Fruchtsensen, Sicheln und spezielle Frucht- bzw. Getreidegabeln stehen unbeachtet und unerkannt in verstaubten Winkeln. Dabei könnten diese Geräte viel über eine hier inzwischen ausgestorbene Sparte des bäuerlichen Lebens erzählen.

 

 

Holzbe- und Verarbeitung

 

Holz war der Werkstoff der vorindustriellen Zeit. Holz war der nachwachsende Rohstoff, der sich aufgrund seiner fast unbegrenzten Verfügbarkeit insbesondere auf dem Land vielfach verwenden ließ.

 

Also finden sich in fast jedem lantwirtschaftlichen Anwesen Holzbe- und verarbeitungswerkzeuge. Es beginnt mit Gerätschaften, die beim sog. "Holzen", bei der Baumfällung, beim "Strecken", "Räppeln" und beim Transport verwendet wurden und endet lange nicht bei Gerätschaften, um Blöcke zu drehen, zu wenden und zu verladen.

 

Viele einfache Holzarbeiten erledigte der Bauer oder ein versierter Knecht auf dem Hof selbst. Kunstfertiger arbeiteten dann die Spezialisten: die Schreiner, Wagner und Zimmerleute, die es auch in jedem Dorf gab. Denn nur wenige Höfe waren groß genug, um eine ganze Familie zu ernähren. Aus deren Werkstätten stammt z. B. die große Hobelauswahl in der Heimatstube Niederstaufen. 

Besondere Fertigkeiten musste beim Deichselbohren nachgewiesen werden.

Die Niederstaufener Heimatpfleg(l)er präsentieren die Heimat Niederstaufen im Internet.

Kontakt: Wolfgang Sutter: wolfgang.b.sutter@gmail.com

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© Wolfgang Sutter